• Katrin Buttkau

Bildbearbeitung - Segen oder Fluch?

"Ich bearbeitet meine Bilder nicht!" "Wer richtig fotografieren kann, der muss seine Bilder nicht nachbearbeiten!"  "Das hat mit der Realität aber nichts mehr zu tun!" "Bearbeitete Bilder gehören nicht in Fotogruppen!" ...


In diversen Fotografieforen hört und liest man einen oder mehrere dieser Sätze immer wieder: Daraufhin entbrennt dann nicht selten eine leidenschaftliche und mehr oder weniger sachliche Diskussion über genau dieses Thema "Bildbearbeitung".

Das bereits zu analogen Zeiten Fotografien nachbearbeitet wurden wissen viele ooc (out of cam) Verfechter vielleicht gar nicht. Die Möglichkeiten haben sich heutzutage dank der digitalen Fotografie allerdings immens vereinfacht bzw. vergrößert. War man zu analogen Zeiten noch auf langwierige und (Kosten)aufwendige Retusche und Bearbeitungen mit Skalpell, Chemikalien, Fotopapieren etc. angewiesen geht heute vieles - um nicht zu sagen beinahe alles - per Computer und einem dementsprechenden Bildbearbeitungsprogramm.

Früher gab man seinen belichteten Film an ein Fotofachlabor seines Vertrauens - die wenigsten Hobbyfotografen werden ihre Filme in der eigenen Dunkelkammer ausbelichtet haben - und die Angestellten erledigten dort den Rest. Das Ergebnis bekam man dann als fertigen Abzug. Dank der modernen Digitalfotografie ist die Ausbelichtung eines Filmes nicht mehr nötig, denn unsere Kamera übernimmt jetzt die Entwicklungsarbeit der Angestellten im Fotofachlabor (solange wir im .jpg Format fotografieren) für uns. Einen wirklichen Einfluss auf das fertige Ergebnis hat man dabei allerdings ebenfalls nicht. Ganz wichtig ist aber: dass von der Kamera "ausgespuckte" Bild ist bereits ebenfalls bearbeitet und nicht mehr "roh". 

Für mich und alle Anderen die nicht im .jpg sondern RAW Format fotografieren ist eine generelle Nachbearbeitung ihrer aufgenommenen Bilder unumgänglich. Sehr vereinfacht gesagt: Die Kamera speichert bei diesem Format lediglich die unterschiedlichen Helligkeitswerte ab. Anders als bei einer Aufnahme in .jpg interpretiert das interne Kameraprogramm dies nicht weiter - sie entwickelt nicht. Die grundlegende Ausbelichtung des Bildes muss ich nun selber mit einem RAW - Entwicklungsprogramm meiner Wahl vornehmen. Das Programm meiner Wahl dafür ist Lightroom. Hier kann ich nun alle Parameter genau so einstellen wie die Aufnahme zum Zeitpunkt ihrer Entstehung in meine Augen ausgesehen hat und kann es dann z. B. als .jpg speichern. Ich ersetze nun das Kamera interne Entwicklungsprogramm. Dieser Bearbeitungsschritt ist wie gesagt zwingend notwendig bei Aufnahmen im RAW - Format auch um eine realitätsnahe Abbildung des Aufgenommenen Bildes zu bekommen und natürlich um es schlicht gesagt überhaupt irgendwo abziehen, oder auf unterschiedlichen Wiedergabemedien betrachten zu können. Nun stellt sich mir allerdings die Frage: "Ist eine realitätsnahe Abbildung das was ich durch meine Fotografie erreichen möchte?" Und da ist die ganz klare Antwort: "Jain!" ;o)


Mini Aussie "Jace" - Nach der RAW Entwicklung in LR & als fertiges Bild nach der Bearbeitung in PS

Und genau an diesen Punkten bin ich unendlich dankbar die Möglichkeiten von Photoshop nutzen zu können. Es gibt Dinge deren Realität ich in meinen Bildern nicht verändern möchte. Zum Beispiel das Exterieur eines Tieres. Aber es gibt viele Dinge die ich nicht unbedingt so in einem Bild erscheinen lassen möchte wie sie in der Realität aussehen. Dies ist zum Beispiel mit ein Grund warum ich keine Turnierfotografie oder Eventfotografie mache, denn dabei geht es weniger um den künstlerischen Aspekt als wirklich um eine realitätsnahe Abbildung der Situation. Mir persönlich ist es wichtig eine phantasievolle vielleicht sogar mystische Aura um das abgebildete Tier zu erschaffen, denn genau in diesem Licht betrachte ich Hunde und Pferde - eigentlich jedes Tier - schon mein ganzes Leben lang. Des weiteren lässt mir die Bearbeitung den Freiraum von vielleicht unvorteilhaften Merkmalen eines Tiers abzulenken und die Vorzüge herauszuarbeiten so das Hund und Pferd bestmöglich abgebildet werden können. Letztlich ist dies der Grund warum mich Kunden beauftragen. Sie möchten dauerhafte Erinnerungen an ihren wunderschönen vierbeinigen Freund. Ich kann störende bzw. ablenkende Bildelemente aus meinen Fotos entferne, denn nicht immer hat man als Tierfotografin das Glück unter perfekten landschaftlichen Bedingungen zu arbeiten. Es erlaubt mir ebenfalls den Blick des Betrachters gezielt zu lenken, denn auch dies ist im Bereich der Tierfotografie bei einem z. B. wild über die Wiese tobendem Pferd nicht immer nur durch die Betätigung des Auslösers zu erreichen.  Ich schaue mir vor jedem Shooting zuerst die Gegebenheiten vor Ort an, wähle dann die Location mit den besten Möglichkeiten aus und versuche auch im Vorfeld störende Elemente wie z. B. Halsbänder oder Halfter zu entferne, aber dies klappt eben leider nicht immer. 

Selbstverständlich sollte die Grundlage einer gelungenen Bearbeitung immer ein schon bestmögliche gelungenes Foto sein. Darum ist mein besonderer Lieblingssatz der nahezu in jeder Bildbearbeitungsdikussion fällt folgender: "Wenn du richtig fotografieren könntest, dann brauchst du nicht nachbearbeiten!" Ah ha! Ich komme noch aus einer Zeit in der es in meiner Kindheit und Jugend weder DSLR Kameras geschweige denn Photoshop gab (mein Gott komme ich mir gerade alt vor :D ) Ich habe schon als junges Mädchen Pferde fotografiert und das mit einer komplett analogen Spiegelreflexkamera ohne die Möglichkeit eines Autofokus oder einer Belichtungsautomatik (Filme selber entwickelt habe ich im übrigen auch :P ) und auch alle meine bisherigen, anderen DSLR's wussten überhaupt nicht, dass sie einen Automatikmodus hatten/haben. Eines ist klar, handwerklich fotografieren kann ich wirklich...mitunter schon länger als diejenigen die gerne solche Sätze in Diskussionen loslassen! Sorry ... das musste jetzt einfach mal raus :D


Nazeel - Nach der Standart Entwicklung (LR) & dem erstellen des Bildlooks (PS) 

Ob nun jemand seine Bilder nachbearbeiten möchte - egal ob ein wenig, oder stark - oder lieber direkt in .jpg fotografiert und sie damit ooc präsentiert - ist für mich nicht von belang. Geschmäcker sind verschieden und das ist auch gut so. So sagt dem einen gar keine bis nur leichte Bearbeitung zu, dem anderen eben eine starke bis sehr starke Form. Diese laissez-faire Haltung ist allerdings leider oftmals gerade bei Bearbeitung-Gegnern nicht zu finden. Oftmals scheint es für sie nur eine einzige "wahre Form" der Fotografie zu geben. Bei einem Blick auf ihre Fotoseite sieht man dann häufig stark beschnittene, dadurch oftmals verrauschte Aufnahmen in satten Farben, Colorkeys und schwarz-weiß Aufnahmen...alle natürlich direkt ooc und völlig unbearbeitet?! Besonders amüsiert bin ich dann, wenn es sich dabei ebenfalls noch um einen der Menschen mit dem "fotografieren lerne" - Satz handelt. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen! Ich meine es nicht böse! Jeder hat ein Recht auf seinen eigenen Geschmack und auch auf Kritik an anderen Bilder und das ist auch gut so. Allerdings finde ich diese fast schon dogmatische, prinzipielle Ablehnung eines Bildes nur "weil es bearbeitet ist" sehr lächerlich. Fotografie hat neben der reinen handwerklichen Komponente oftmals ebenfalls eine künstlerische Seite und ein "Kunstprodukt" deshalb abzulehnen, weil es die Realität verfremdet wiedergibt führt das Thema an sich schon ad absurdum.

Fakt ist: Fotografien werden schon seit einer sehr, sehr langen Zeit bearbeitet und eine gute Bildbearbeitung gehört für mich bei der modernen RAW Digitalfotografie einfach dazu.


#bildbearbeitung #photoshop #lightroom

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