• Katrin Buttkau

Ist das noch Fotografie?

In Zeiten moderner Fotografie taucht ein Wort eigentlich immer auf, nämlich das Wort Bildbearbeitung. Das die meisten Fotografen ihre Bilder nicht mehr direkt aus der Kamera der Öffentlichkeit präsentieren ist vielen Menschen mittlerweile klar, doch wie weit geht diese Bildbearbeitung eigentlich? In diesem Artikel möchte ich mich nicht mit der grundsätzlichen Frage "Bildbearbeitung ja, oder nein?" befassen, dazu habe ich vor einiger Zeit schon ein mal etwas in meinem Blog geschrieben. Viel mehr möchte ich mich an dieser Stelle damit beschäftigen wie weit meine (oder auch Bildbearbeitung im allgemeinen) geht und eben auch mit der grundsätzlichen Frage: "Ist es dann

noch Fotografie?"

Das vieles an einem Bild in den Zeiten der modernen Fotografie nicht mehr "so aus der Kamera" kommt ist mittlerweile einer ganzen Menge von Menschen klar. Das schon seit dem Beginn der Fotografie Bilder nachträglich bearbeitet wurden wissen dagegen schon weniger. An dieser Tatsache hat sich also nichts geändert. Was sich allerdings geändert hat ist hingegen die Art und Weise in der bearbeitet wurde - musste früher zuweilen noch umständlich mit Skalpell und Klebstoff gearbeitet werden geht heute vieles per simplem Mausklick. Ebenfalls ist es heutzutage nahezu für Jedermann möglich seine digitalen Meisterwerke bequem vom PC aus im Nachhinein zu verändern. Mit dieser Möglichkeit ist allerdings nicht unbedingt die Qualität der einzelnen Fotografien gestiegen, das Selbe gilt im übrigen für die Fotografie im allgemeinen, denn noch nie wurde so viel geknipst und gezeigt wie heutzutage. Aber zurück zum eigentlichen Thema.

Ich arbeite als Hunde- & Pferdefotografin ausschließlich Outdoor und somit bei natürlichem Licht. Ich bin also auf darauf angewiesen mit der einzigen Lichtquelle zu arbeiten die mir dort zur Verfügung steht - die Sonne. Natürlich könnte ich mit weiteren Hilfsmitteln arbeiten - heutzutage ist bis zur mobilen Blitzanlage im Freien nahezu alles möglich - doch stellt sich mir hier immer wieder die Frage nach der Durchführbarkeit, den Kosten und nicht zuletzt dem Sinn des Aufwandes. Was meine ich damit?


Ein kleines Beispiel:

Selbstverständlich hätte ich bei diesem Bild bereits während des Fotografierens die Möglichkeit gehabt den schwarzen Hund mit einem Reflektor, oder sogar Blitz von vorne aufzuhellen, so das Hintergrund und Hund "richtig" belichtet werden. Das weiß ich, das könnte ich, also warum habe ich nicht? Ganz einfach, die Durchführung wäre wesentlich aufwendiger als das Bild im Nachhinein mit einer geeigneten Software im Bereich der Tiefen & Lichter anzupassen. Warum? Für einen Reflektor bräuchte ich eine zweite Person die mir beim Fotografieren assistiert. Ich selber kann, während ich auf dem Bauch auf dem Boden liege, nicht gleichzeitig den Reflektor halten und fotografieren, Frauchen kann es ebenfalls nicht tun, da die zu reflektierende Sonne nicht unbedingt von dort aus kommt wo ich den Blick des Hundes haben möchte, genau dort muss aber Frauchen stehen damit die Fellnase in die richtige Richtung schaut. Eine zweite, besser dritte Person habe ich aber in fast allen Fällen nicht zur Verfügung. Ebenfalls kann es gut sein, dass das vorhandene Tageslicht gar nicht mehr ausreicht um den Hund mit einem Reflektor richtig aufzuhellen. Bliebe noch die Sache mit dem Blitz. Ja das ginge! Ich könnte mit einer kleine, leichten Softbox und einem Aufsteckblitz, der sich entfesselt blitzen lässt, den Hund von vorne die nötige Helligkeit mitgeben, doch ehrlich gesagt erschließt sich mir hierbei nicht wirklich der Sinn. Denn dafür müsste ich zusätzlich zu meinem dringend benötigtem und bereits recht schwerem Equipment noch ein Stativ, eine Softbox und einen Blitz mit mir herumtragen.


Ein anderes Beispiel:

Wie gesagt fotografiere ich ausschließlich Hunde und Pferde - Tiere eben. Egal wie gut erzogen der Vierbeiner auch sein mag, er bleiben immer Tiere. Mit Tieren ist allerdings ein ganz anderes Arbeiten nötig als es mit einem Menschen ist. Bei einem Pferd oder Hund kommt es oftmals auf die Sprichwörtliche Sekunde an. Einem Menschen kann ich sagen er möchte seine Hand hier, sein Bein dort und den Blick in die Ferne richten, einem Hund oder Pferd nicht. Noch dazu kommt, dass ein Tier eine wesentlich geringere Aufmerksamkeitsspanne hat als (die meisten) Menschen. Das heißt es ist nicht möglich eine Position immer und immer wieder von dem Tier einnehmen, oder über einen lagen Zeitraum halten zu lassen - noch dazu kommt, dass manche Posen für ein Tier recht kraftraubend sein können und sich somit nicht oft so oft wiederholen lassen bis wirklich alles auf dem Foto stimmig ist. Auch in diesem Fall ist die Bildbearbeitung für mich mein Mittel der Wahl. So kann ich dem Tier endlose (kraftraubende) Wiederholungen ersparen, nur weil zum Beispiel ein Ohr nicht ganz so "sitzt" wie es soll, oder wie in dem oben gezeigten Fall die Mähne nicht so schön fliegt, oder die Beinhaltung für mich nicht ganz ideal ist.


In beiden Fällen gibt es natürlich einen Weg das fertige Bild direkt aus der Kamera zu produzieren - keine Frage! Allerdings ist ein Foto mehr wert- rechtfertigt also den physischen Mehraufwand - wenn es im Nachhinein nicht mit einem Bildbearbeitungsprogramm bearbeitet wurde? Darf ich mich nur dann als Fotografin betrachten, wenn jedes meiner Bilder direkt "perfekt" aus der Kamera kommt? Ich denke nicht! Ob ich mein Bild mit physischen Hilfsmitteln wie zum Beispiel dem Verwenden eines Blitzes idealisiere, oder ob ich dafür die Hilfe von Photoshop zur Hand nehme ist für mich für die Wertigkeit einer Fotografie letzten Endes gleich. Ebenso ob ich 100 Fotos schieße um das eine Bild zu bekommen, oder ob ich mich eines Beines, Ohres oder Auges aus einem anderen Bild bediene um es zu perfektionieren schmälert meiner Ansicht nach nicht den "Wert" eines gelungenen Fotos. Zumal es in der digital Fotografie eigentlich keine unbearbeiteten Fotos mehr gibt, denn jedes JPG das unsere modernen digitalen Kameras - sei es DSLR-, System- oder Handy-Kamera - ausgeben ist letztlich eine von der kamerainternen Software bearbeiteteFotografie. Gerade in diesem Punkt wird deutlich, dass die Bildbearbeitung in Zeiten der Digitalfotografie unweigerlich zu der Fotografie dazu gehört und letztlich genau so zu bewerten ist wie die Verwendung eines Blitzes.


Ein wenig problematisch kann die Sache mit der Bildbearbeitung allerdings schon sein. Im Bereich der Hochglanzmagazine und deren Fotografien zum Beispiel eifern viele (junge) Menschen einem vermeintlichen Schönheitsideal hinterher welches letzten Endes utopisch ist. Gerade im Bereich der People Fotografie ist vieles eben so gar nicht wie es auf dem Foto schient - aber damit möchte ich mich an dieser Stelle nicht weiter befassen. Wozu ich allerdings noch ein paar Worte verlieren möchte ist die Tatsache, dass ich oftmals das Gefühl habe Fotografie und Photoshop werden, in diesem Fall weniger von absoluten Laien sondern eher von Anfängern im Bereich der Fotografie, nicht als Einheit sondern vielmehr losgelöst voneinander betrachtet, was meiner Meinung nach ebenso falsch ist. Weder rettet Photoshop eine misslungene Fotografie noch bügelt eine gute Fotografie Bearbeitungsfehler in Photoshop aus! Für ein wirklich gelungenes Foto müssen beide Komponenten qualitativ gut sein. Wie das fertige Foto letzten Endes gestallten wird, ob es natürlich oder doch schon eher ein wenig überzeichnet ist, ist letzten Endes immer eine Frage des jeweiligen Stil und Geschmack des Fotografen.


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