• Katrin Buttkau

Just my two Cents: Preise

Jeder kennt das, den Kampf um den Preis und ganz klar wer freut sich nicht wenn er etwas zum (vermeintlichen) Schnäppchenpreis bekommen kann. Mag dieser Preiskampf in manchen Bereichen in der Tat belebend wirken ist es für mich als freie Fotografin oftmals nicht ganz so lustig.


"Was?!? So viel soll ein Shooting bei dir kosten? Deinen Stundenlohn möchte ich haben!"


Solche Sätze lese ich immer mal wieder in Fotogruppen in denen Menschen ihren Fotografen für ihr Shooting mit ihrem Pferd oder Hund suchen. Auch ich selber habe solche oder so ähnliche Sätze bereits gehört und natürlich, wenn man als Außenstehender ließt, dass meine Shooting Pakete bei 120 € (und damit bewege ich mich bei weitem nicht im oberen Preisbereich eines Fotografen) für eine Stunde Shooting beginnen kann man schon ein mal schnell der Annahme verfallen, dass ich mir eine goldene Nase mit quasi Nichtstun verdiene. Aber eines direkt vorweg: Das tue ich leider nicht! Wie jetzt?


Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass den geringsten Teil meiner Arbeit an ihrem persönlichen Fotoshooting in der Tat der Teil ausmacht an dem ich mich mit Herrchen oder Frauchen und Hund oder Pferd zum Shooting vor Ort treffe. Der aufwendigste Teil meiner Tätigkeit als künstlerische Fotografin findet in meinem Büro vor dem PC statt. Das meine Bilder nicht so aus der Kamera kommen wie sie in meinem Portfolio zu sehen sind ist in der Tat den meisten Menschen noch klar, doch wie viel Arbeit und eben Zeit ich in die Bearbeitung investiere wissen nur noch Wenige.


Ein kleines Beispiel:

Eine Kundin, nennen wir sie ein mal Lisa, bucht für sich und ihren Hund zusammen mein Shooting Paket "You & Me" für 190 €. Dieses Paket beinhaltet folgende Leistungen:

  • Ca. 120 Minuten Shooting

  • 5 aufwendig bearbeitete Bilder (auf CD & als Fotoabzug 13 x 18)

  • Meine Fahrtkosten bis 25 KM

  • Kosten für Verpackung & Versand

Bisher habe ich ca. 30 Minuten damit verbracht Lisas Anfrage zu bearbeiten, ihr einen Vertrag zukomme zu lassen, ein Vorgespräch (per Telefon oder E-Mail) zu führen, sie in ihrer Kleiderauswahl zu beraten etc. Aber nun ist es so weit, der Tag des Shooting ist gekommen. Das Wetter spielt mit und alles ander passt. Ich mache mich also auf den Weg zu unserer Location. Diese ist in 99,99 % der Fälle nicht direkt vor meiner Haustür sondern mind. 15 Minuten entfernt. Dort angekommen besprechen Lisa und ich noch ein mal genau was sie sich vorgestellt hat. Jetzt lerne ich zum ersten mal ihre Fellnase kennen (nennen wir sie Erna). Erna ist eine kleine, beige-braune Knutschkugel mit großen, treuen Hundeaugen. Erna kann Sitz! und Platz! und lässt sich gefahrlos ableinen. Die Stimmung ist angenehm und wir legen motiviert los. Erna macht im großen und ganzen alles brav mit, aber auch ein kooperatives tierisches Model braucht seine Pausen um bei Laune zu bleiben, also sind die im Shooting angegebenen 2 Stunden ausreichend um ohne Stress für Mensch und Tier einige schöne Momente festzuhalten. Wir verabschieden uns und ich mache mich wieder auf meinen 15 Minütigen Heimweg. Zu Hause angekommen lade ich die Bilder auf meinen Rechner und mache mich in der Regel ein paar Tage später daran die Bilder zu sichten und sie für Lisas online Auswahl vorzubereiten. Bei günstigen Shooting Verhältnissen zum Beispiel keinen extremen Lichtbedingungen oder einem sehr unruhigem Tier dauert es ca. 30 Minuten um die Bilder für Lisas Auswahl auszusuchen, grundlegend zu entwickeln, sie auf den Server zu laden und Lisa eine E-Mail mit allen wichtigen Informationen und natürlich dem Link zuzuschicken. 


Eine kurze Zwischenbilanz: bisher bin ich 3 1/2 Stunden mit Lisas & Ernas Shooting beschäftigt.


Nach einiger Zeit bekomme ich von Lisa ihre finale Auswahl der fünf im Paket enthaltenen Bilder mitgeteilt (weitere Bilder sind gegen Aufpreis immer möglich, aber in unserem Beispiel nimmt Lisa lediglich die fünf enthaltenen ;o) ). Lisas & Ernas Shooting lief wie gesagt recht unkompliziert so, dass ich kaum störende Elemente wie Zäune, Leinen, Äste, Hände, etc. aus den Bildern entfernen muss was mir immens Zeit einspart. Trotzdem brauche ich um den Fotos meine persönliche, künstlerische Handschrift zu verleihen pro Bild ca. +/- 45 Minuten. 45 Minuten x 5 macht 3 3/4 Stunden insgesamt. Letztlich sind alle Bilder bearbeitet, die Abzüge wurden geliefert, die Dateien von mir auf CD gebrannt, diese mit einem personalisierten "Lisa & Erna" - Label versehen, verpackt und zur Post gebracht - Zeitaufwand insgesamt ca. 15 Minuten.


Fazit: Insgesamt war ich rund 7 1/2 Stunden mit dem Shooting für Lisa und Erna beschäftigt. Eingenommen habe ich 190 €. Also 25,33 € pro Stunde von denen das Finanzamt gerne noch 7 % MwSt. haben möchte. Letztlich bleibt mir also ein Stundenlohn von 23,67 €. Ich denke das ist nicht zu viel.


Nun könnte man sagen: "Dann versuche zeitsparender zu arbeiten! Zum Beispiel in dem du deine Zeit die du für die Bearbeitung eines Bildes brauchst reduzierst." Ja, natürlich könnte ich aufhören so viel Zeit in die Nachbearbeitung zu investieren. Meine Bilder kommen in nahezu 100 % der Fälle bereits sauber aufgenommen aus meiner Kamera. Ich könnte sie lediglich noch einer rudimentären Entwicklung in Lightroom unterziehen und sie dann so an den Kunden herausgeben und ja das würde mir in der Tat eine immense Zeit und somit Kostenersparnis einbringen. Viele Kunden wären sicherlich auch mit diesen Bildern ihrer Vierbeiner zufrieden - aber(!) ich sehe mich und meine Arbeit ganz klar nicht als reines Handwerk sondern viel mehr als Kunst. Um diese aber so zu produzieren wie ich es für richtig bzw. für meinen Ansprüchen genügend halte brauche ich Photoshop als Werkzeug und eben auch die oben genannte Zeit von mind. 45 Minuten pro Bild.


Ich ärgere mich im übrigen nicht darüber, wenn jemand nach meinen Preisen fragt und es sich dann anders überlegt, weil ihm das zu teuer erscheint. Das ist Jedermann gutes Recht! Was mich hingegen mittlerweile ärgert sind die vielen, vielen low-low-low-low-low Budget Fotografen. Wenn ich mir ansehe, dass manch einer ein Shooting, inkl. 10 bearbeitete Bildern (und diese noch nicht ein mal schlecht!!!) auf USB Stick inkl. Holzbox- Verpackungstrallala für 99 € anbietet brauche ich kein Genie zu sein um auszurechnen, dass der tatsächliche Stundenlohn nicht ausreicht um davon halbwegs normal zu leben. Denn auch wenn man sagen könnte, dass bei dieser Art Fotografen die Auftragslage aufgrund des geringen Preises höher sein mag, auch der Tag eines low-low-low-low-low Budget Fotografen hat nur 24 Stunden! Ein wenig anders sieht es bei den "Fotografen" aus, deren handwerkliche Leistung (noch) so schlecht ist, dass man sagen könnte hier setzt Qualität sich eben ganz klar gegen durch, doch leider gibt es wie gesagt immer mehr (nebengewerbliche) Fotografen die für einen eigentlichen Hungerlohn gute Qualität abliefern und somit leider, man kann es nicht anders sagen, letztlich den Markt für alle kaputt machen. Ein wenig Konkurrenz belebt das Geschäft sag man, und ja auch ein gewisser Preiskampf ist sicherlich völlig okay, aber bei manch einer Preiskalkulation handelt es sich oftmals um absolute Dumping-Preise die sich meiner Meinung nach nur dadurch erklären lassen, dass viele dieser Fotografen schlicht unternehmerisch falsch rechnen - nämlich nicht als Selbstständige die davon in der Tat leben müssen und wollen, sondern als "Hobbyisten" die sich freuen, wenn ihr benötigtes Equipment für ihr Hobby quasi durch Aufträge bezahlt wird. Nicht mehr und auch nicht weniger.


Bitte nicht falsch verstehen! Ich gönne jedem das Hobby Fotografie! Aber dann bitte auch ohne gewerbliche Absichten eben kostenlos. All diejenigen die sich dazu entschließen ihr Hobby zum Beruf zu machen - egal ob Neben- oder Hauptberuflich - möchte ich hingegen dringend ans Herz legen ihre Preise wirklich unternehmerisch ehrlich und angemessen zu kalkulieren. Un das kann in nahezu keinem der Fälle ein qualitativ hochwertiges Shooting für 99 € und 10 Bildern plus sonstigem Schnick-Schnack sein.


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