• Katrin Buttkau

Das Ende des Weges - Thema: Stilfindung

Ab und an habe ich mir folgende Frage gestellt: "Habe ich eigentlich einen eigenen Stil? Brauche ich überhaupt einen eigenen Stil? Und überhaupt...WAS ist ein eigener Stil?" Wenn man sich in diversen Fotografie-Foren oder nur allein schon im Netz herumtreibt kommt man - gerade als Neuling in der Fotografie - schnell zu der Erkenntnis, dass ein eigener Stil wohl absolut nötig ist und man sich anstrengen muss damit man ihn möglichst schnell für sich findet und man findet ihn am schnellsten in dem man sich möglichst an den "Großen" der Fotografie orientiert. Aber ist dem wirklich so? Kann man seinen Stil überhaupt bewusst finden?



Meine zugegebenermaßen eventuell etwas provokante Meinung dazu: "Nein! Einen eigenen Stil findet man nicht - man entwickelt ihn, oder man entwickelt ihn eben nicht." Echt jetzt?!


Der Einstieg, oder: die ersten, eigenen Fotos.

Als erste muss ich erwähnen, dass ich aus einer Zeit (79er Baujahr) komme in der es noch keine digitalen Kameras gab. Mein Vater hat allerdings schon immer leidenschaftlich gerne fotografiert und somit hatte ich das Glück schon in frühen Jahren mit einer analogen SLR - Kamera das Fotografieren erlernen zu können. Durch diese Kamera war das Wissen über Blende, Belichtungszeit und Lichtempfindlichkeit des Films schon von Anfang an eine Bedingung um überhaupt ein Bild aufnehmen zu können. Darum war der Automatik-Modus auch später bei meiner ersten DSLR nie ein Thema für mich - ich glaube ich habe ihn bei all meinen DSLR's noch nie benutzt. Auch wenn ich nun am Anfang nicht wie die meisten ratlos vor dem gefürchteten Modus M stand ging es mir trotzdem vermutlich wie vielen anderen Einsteigern in die Fotografie. Man hält einfach drauf und drückt ab. Das Ergebnis ist meistens nicht wirklich so wie man sich das vorgestellt hat. Und genau hier befinden wir uns meiner Meinung nach bereits an einem der entschiedensten "Wendepunkte" für die Stielfindung!. All diejenigen die mit ihren Erstlingswerken zufrieden waren bzw. sind werden es schwer haben überhaupt einen Stil entwickeln zu können, denn einfach draufhalten und auslösen - ohne einen Gedanken an Bildaufbau etc. zu verschwenden - hat mit einer künstlerischer Fotografie nicht viel zu tun. Es ist lediglich der Spaß daran irgendein Motiv auf ewig in 1en und 0en zu bannen und auch dieser hat sicherlich seine Berechtigung und sei jedem gegönnt, nur brauchen wir uns in diesem Fall mit dem Thema Stilfindung gar nicht mehr weiter beschäftigen.

Nach diesen ersten mehr oder weniger erfolglosen Gehversuchen in der Fotografie habe ich mich, wie vermutlich viele Andere, auf Ursachenforschung begeben. Ich habe mir meine Werke angeschaut und mich gefragt: "Was gefällt mir - was gefällt mir nicht und vor allem warum?" Alleine die Tatsache sich SELBST mit seinen erschaffenen Bildern kritisch und konstruktiv auseinander zu setzen ist ein meiner Meinung nach unglaublich wichtiger Prozess auf dem Weg zum eigenen Stil. Dabei ist es völlig egal ob Heinz53 sagt: "Das macht man so aber nicht!" oder Lilly95 erschreckt aufschreit: "Da ist ja gar kein Blumenkranz im blonden Mädchenhaar!" (Bitte nicht missverstehen - ich habe weder etwas gegen Heinzes, Lillys, Blumenkränze oder blonde Mädchen ;) ) Die Sache ist die: wir bewegen uns im Bereich der Kunst und Kunst ist was gefällt. Natürlich gibt es gewisse "Regeln" aber dies sind keine Regeln wie z. B. die binomischen Formeln bei denen immer eine nicht korrekte Lösung heraus kommt wenn sie falsch angewendet werden, viel mehr sind es Richtlinien die z. B. eine gewünschte Bildaussage verstärken oder sogar ad absurdum führen könne. Weiß man nicht über diese Richtlinien und ihre Wirkung bescheid KANN es zu einer verfälschten Bildaussage kommen. Wer gibt mir aber das Recht darüber zu Urteilen, ob der Urheber nicht ABSICHTLICH diese Richtlinie gebrochen hat um genau DIESE Wirkung zu erzielen? Ich denke niemand! Aber ich schweife ab...


Thematischer Schwerpunkt, oder: was will ich fotografieren?

Für mich war von Anfang an klar, dass Tiere mein bevorzugtes fotografisches Gebiet sind. Mein ganzes Leben hat sich schon immer um Tiere gedreht - im Besonderen um Pferde & Hunde. Auch dieser Bereich der Stilfindung passierte ganz automatisch. Natürlich habe ich mich ebenfalls in andere Bereiche gewagt. Ein wenig Makro, ein wenig Architektur, Langzeitbelichtungen, Hochzeiten, Landschaften, Menschen - aber schnell war klar: "Nö!" An dieser Stelle ist ein weiterer meiner Meinung nach nicht zu unterschätzender Wendepunkt für den eigenen Stil erreicht. Fotografiere ich das was mich interessiert, was mein Herz berührt, oder fotografiere ich das was die besten Chancen, und sei es nur die aktuelle Nachfrage oder schlicht viel Geld, bringt. Entscheide ich mich für letzteres ist das meiner Meinung nach nicht verwerflich, allerdings trifft man diese Entscheidung aus Logik, nicht aus tiefster Überzeugung. Fakt ist, wenn in deiner Brust das Herz eines Künstlers schlägt, dann bist du nur in Bereichen zu Höchstleistungen fähig die dich wirklich interessieren und berühren und letztlich kann nur das was dich berührt zu deiner eigenen Sicht der Dinge und somit zu deinem eigenen Stil führen. 


Bildbearbeitung, oder: stilistischer Klon oder eigene Kreativität?

Wenn ich durch diverse Facebook-Seiten, oder andere Fotografieplattformen scrolle fällt mir manchmal auf wie ähnlich sich viele Fotografen stilistisch sind - die Popmusik der Fotografie quasi. Dagegen ist natürlich nichts zu sagen - weder gegen die ähnlichen fotografischen Stile noch gegen Popmusik - allerdings hat dies meiner Meinung nach mit der Entwicklung eines persönlichen Stils nicht viel zu tun. Ich wage einfach mal zu behaupten, dass nicht 100 fotografierende, sich auf der selben Plattform herumtreibende Menschen, völlig unabhängig voneinander einen nahezu identischen Stil entwickeln, aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren :) Natürlich habe auch ich Fotografen die ich für ihrer Arbeit bewundere. Deren Bilder mir gefallen, mich ansprechen und berühren. Auch finde ich es wichtig immer einmal über seinen eigenen Tellerrand zu schauen und sich weiterzubilden, allerdings war es nie ein Anliegen von mir Bilder im Stil von XY zu erstellen. Ich hole mir Anregungen, überlegen mir was genau gefällt mir hier besonders, was nicht und kann dies in meine eigene kreative Fotoarbeit einfließen lassen und so meinen Stil weiter ausprägen, doch kopieren möchte ich nicht.


Der eigene Stil, oder: das Ende des Weges?

Nach 1000den von aufgenommenen Bilder, endlosen zum Teil verzweifelten Stunden vor Bildbearbeitungsprogrammen, etlichen durchgescheuerten Hosen, vermanschten Schuhen und Oberteilen, zahllosen Mückenstichen und vielen, ganz wunderbaren Tieren mit ihren Menschen kann ich sagen, dass mein Stil (und ich bin mir mittlerweile sicher einen eigenen zu besitzen) sich ganz von selbst entwickelt hat. Genau so ist es meiner Meinung nach nämlich! Der eigene Stil kann nicht gefunden werden, er entwickelt sich über einen langen, nicht immer gradlinigen und manchmal schmerzhaften Zeitraum und eigentlich hört diese Entwicklung niemals auf und das ist auch gut so! Wir verändern uns über die Dauer unseres Lebens hinweg ständig. Solange wir ein offenes Ohr für uns selbst haben können wir diese Veränderungen wahrnehmen und (positiv) nutzen, sie in unsere kreativen Leben einfließen lassen und so ganz eigene, individuelle Werke erschaffen. Bei diesem Prozess kann uns letztlich keiner helfen. Diesen Weg muss jeder für sich alleine gehen. Inspirationen und Anhaltspunkte gibt es viele, die Kunst besteht darin diese nicht zu kopieren oder sie gar zu einem unumstößlichen Dogma zu erklären und in Stillstand zu verharren.

#stilfindung #Fotografie #Bildbearbeitung


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