• Katrin Buttkau

Unterschiedliche Brennweiten? Ich geh einfach näher ran!

Vor ein paar Tagen wurde mir die Frage gestellt, warum ich für meine Bilder - in diesem Fall ging es um Pferdebilder - ein Objektiv mit einer Brennweite von mindestens 70mm empfehlen würde. Aufgrund dieser Frage habe ich mich entschlossen hier ein paar der Gründe aufzuführen weshalb ich eben zu der Verwendung von Telebrennweiten im Bereich der Pferde- aber auch Hundefotografie rate (und würde dies bestimmt auch auf die anderen Bereiche der Tierfotografie ausweiten, wenn ich denn dort tätig wäre)


Ich möchte euch nun gerne - ohne dabei zu sehr in technische Details abzuschweifen - die Hauptgründe für die Wahl meiner Brennweiten erklären. 

Jedem dürfte vermutlich klar sein, dass ich bei einer kürzeren Brennweite (z. B. 50mm) einen wesentlich größeren Bildausschnitt einfange, als bei gleichem Kamerastandpunkt mit einer längeren Brennweite (z. B. 200mm). Vereinfacht gesagt: "Je kleiner die Brennweite um so mehr passt auf das Foto."

Nun könnte ja jemand sagen: "Dann geh doch einfach näher an das Tier heran...dann wird es Formatfüllender." und damit hätte er natürlich erstmal recht. Je näher ich mich mit meiner Brennweite an ein Tier ran bewege desto formatfüllender wird es abgebildet. Allerdings passiert neben dem Ausfüllen des Formates noch etwas anderes. Das Tier beginnt sich auf unserem Bild zu verzerren.


Bei diesem unbearbeitetem Handy Schnappschuss ist die Verzerrung deutlich zu erkennen.

Aber warum ist das so? Kurz und knapp erklärt liegt es daran, dass alles was sich nah an der Kamera befindet größer und alles was sich weiter weg von der Kamera befindet kleiner auf unseren Fotos dargestellt wird. Auch das kann man an diesem Bild sehr gut erkennen, denn Cappuccinos Kopf ist nahezu gleich große wie sein Körper. 

Noch dazu kommt, dass generell je nach Brennweite eine perspektivische Verzerrung (bei Brennweiten > 50mm) oder eine perspektivische Stauchung (bei Brennweiten < 50 mm) wahrgenommen wird. In dem oben zu sehenden Bild kamen mehrere Faktoren "begünstigend" zusammen 1.) die weitwinkelige Brennweite (leider kann ich nicht genau sagen welche Brennweite das Bild hat, da mein Handy die Brennweite nicht angibt) und 2.) mein naher Aufnahmestandort (ca. 50 cm vom Pferd entfernt). Natürlich kann man sich solche Verzerrungen zu nutze machen und viele, witzige Spaßbilder damit machen, allerdings möchten wir es in den meisten Aufnahmesituationen vermeiden, dass unser Pferd oder unser Hund aussieht wie eine kleine Comicfigur. 

Gut damit hätten wir geklärt warum keine Brennweiten unter 50mm genutzt werden sollten, warum aber jetzt nicht mit 50mm fotografieren? 

Ganz einfach. Eben genau aus dem Grund das alles was sich näher an der Kamera befindet immer größer abgebildet wird als etwas was sich weiter von der Kamera entfernt befindet. Das heißt: möchte ich ein Tier, im ganzen, von der Seite ablichten ist dies auch recht gut mit einer 50mm Brennweite möglich, denn alle sichtbaren Teile des Tieres liegen gleich weit von meiner Kamera entfernt. Nichts wird dadurch vergrößert, oder verkleinert - es entsteht gar keine bis nur eine sehr geringe perspektivische Verzerrung.  Anders sieht die Sache schon aus wenn ich das Tier von vorne fotografiere. Nun befindet sich auf alle Fälle der Kopf näher an meiner Kamera als der Körper. Bei 50mm verzerrt zwar nicht viel, aber es verzerrt. Das heißt in diesem Fall wirkt der Kopf größer als der Rest des Körpers. Je näher ich mich nun an dem Tier befinde, und wenn ich formatfüllend fotografieren möchte ist das meist schon sehr nah, desto größer wird auch die perspektivische Verzerrung.

( Wichtig - Ich gehe immer von tatsächlichen Abbildungsleistungen aus. Also von Objektiven an einer Vollformatkamera! )


Cloud - Aufgenommen mit dem CANON 50mm 1.8

Und nun kommen wir langsam zu des Aussies ... äh Pudels Kern! 

Möchte ich diese perspektivische Verzerrung bei möglichst formatfüllenden Aufnahmen vermeiden brauche ich ein Objektiv welches mir die Möglichkeit gibt mich weiter entfernt von meinem zu fotografierenden Tier zu positionieren und es mein Bildformat trotzdem noch ausfüllt. Also eine Brennweite von >70mm! Je weiter ich mich von meinem Tier entfernt positioniere und je länger meine Brennweite ist desto geringer ist der Abbildungsunterschied der einzelnen Körperbereiche, da sich die Relation der Entfernung der einzelnen Körperberreiche zu meiner Aufnahmepositione positiv verändert/verkleinert. Z. B frontale Aufnahme bei einem Pferd: Aufnahmeposition 50 cm von Tier | Entfernung zu mir: Kopf ca. 50 cm - Hintern ca. 1,5 m 

Aufnahmeposition 3 m von Tier | Entfernung zu mir: Kopf ca. 3 m - Hinterhand ca. 4 m

Ein weiterer Aspekt ist der, dass bei Brennweiten über 70mm eine scheinbare Stauchung des abgebildeten Tieres stattfindet. Diese Stauchung ist - gerade für Pferde, aber auch für Hunde - besonders schmeichelhaft bei Tieren mit einem längeren Körper. Sie wirken kompakter und gleichmäßiger. Diese Stauchung nimmt zu je länger die Brennweite ist.


Kathy - Aufgenommen mit dem CANON 70-200 2.8 IS L bei 135mm Brennweite 

Natürlich setzt diese, durch die Nähe zur Kamera, bedingte Verzerrung nicht nur bei Tieren ein! Allerdings wirkt sie bei Hunden oder Pferden durch ihren langen Körper wesentlich stärker. Darum fotografiere ich Pferd niemals mit einer Brennweite unter 70mm (in den meisten Fällen liegt sie deutlich höher) und auch Hunde fotografiere ich nur in ganz bestimmten Situationen (z. B. bei Portraits von oben auf die Fellnase herab) mit einer 50mm Brennweite.

Denn selbst bei klassischen Portraits ist bei den meisten Hunderassen die Nase IMMER wesentlich näher an der Kamera als die Augen und wirkt dadurch größer als sie ist. 

Noch ein abschließendes Wort zum Schluss. Natürlich kann man mit jeder Brennweite jedes Tier fotografieren, die Kamera schaltet ja nicht plötzlich auf stur und sagt: "Was?!? 28mm Brennweite bei 50 cm Abstand zum Pferd?!? NÖ! Mit mir nicht!" ;o) allerdings sollte man das oben erwähnte im Hinterkopf behalten damit man sich im Nachhinein nicht über das merkwürdig verzerrte Pferdchen wundert.


Cloud - Hier nochmal im direkten Vergleich: 135mm <--> 50mm  Ganz deutlich lässt sich hier der Unterschied in der Abbildung (Größenverhältnis Kopf <--> Körper) erkennen.  

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