• Katrin Buttkau

Zeit, schreiend im Kreis zu laufen?!

Fast jeder hat sicherlich schon mal einen Beitrag in der einen oder anderen Form gelesen in der sich der Verfasser einmal kurz zu den nicht so schönen Seiten seiner Arbeit äußert. Sei es um sich einmal kurz "Luft" zu machen, oder einfach um einige Dinge klar zu stellen, die Menschen die nichts mit dem Metier zu tun haben vielleicht wirklich einfach nicht wissen.


Bisher habe ich mich von dieser Art Beiträgen fern gehalten, da ich im allgemeinen eher zu den Menschen zähle die sich wenig über ihre Arbeit "beschweren" oder besser: die wenig mit dem (teilweise unverständlichen) Verhalten ihrer Mitmenschen hadern. Ich nehme es einfach hin. Fertige den einen oder anderen Spruch mit einem Kopfnicken (oder auch Kopfschütteln ;) ) ab und lasse die Menschen um mich herum leben wie sie es für richtig halten. Ich mag diese...nennen wir es mal... "Erklärer-Mentalität" einfach nicht so sehr. 

Allerdings habe ich mich in der letzten Zeit doch sehr oft über einige Menschen mit denen ich im Kunden- bzw. Projektkreis zu tun hatte geärgert und zwar so massiv, dass jetzt auch ich einmal meinen persönlichen Senf zu einigen (Un-)Arten meiner Mitmenschen loswerden muss. 

Hier folgt er nun...mein erster (und vermutlich auch einziger ;) ) "Aufrege-Beitrag"


Nummer 1: Terminabsagen in letzter Sekunde oder "Meine Stubenfliege hat husten!"

Wer kennt sie nicht die kleinen Notlügen a lá "Oh...ich hätte dich heute furchtbar gerne getroffen, aber ich hab' ganz plötzlich "Magen-Darm" bekommen. Tut mir unendlich leid!" und Hand aufs Herz, wir haben sie sicherlich alle schon einmal genutzt um uns vor einem gerade unpassenden Termin zu drücken. Über die moralische Wertigkeit kann man sich sicherlich streiten und darum lasse ich sie nun einmal dahingestellt. Fakt ist allerdings, dass es für den "Absagenden" weniger ein "Problem" ist als für Denjenigen dem abgesagt wird. Im privaten Umfeld schon blöd, wird diese spontane "Endterminisierung" für mich im beruflichen Umfeld wirklich mehr als ärgerlich.

Der Termin wurde für den Kunden fest reserviert, anderen Kunden die gerne ebenfalls an diesem Tag einen Termin gehabt hätten eventuell sogar abgesagt, alles wurde Vorbereitet (z. B. geklärt wer meine Hunde kurz mal an die Luft lässt während ich zu einem weiter entfernten Termin unterwegs bin etc.) und dann kommt sie...die Absage einen Tag (oder sogar erst am selben Tag) vor dem Shooting Termin...wegen...ja weswegen eigentlich nicht?! Ich habe in den letzten Jahren (nicht nur was Terminabsagen für die Fotografie Termine sondern auch für Welpenbesuche ;) ) so einiges an unglaublichen Ausreden gehört. Zusammenfassend kann man sagen: ein Shooting oder ein Welpenbesuchstermin bei mir ist mit erhöhten Gefahren von plötzlichem Familienmitgliedertod, Autounfällen oder Autopannen, stark erkrankten Kindern oder Tieren oder auch Zahnschmerzen verbunden ;)

Natürlich gibt es auch die Fälle in denen es wirklich einen zwingenden Grund für eine Terminabsage gibt! Gar keine Frage, aber bei dieser Häufung wundert man sich manchmal doch. Leider sind es aber meistens die netten und vernünftigen Mitmenschen die unter der - nennen wir es einmal nett - Unüberlegtheit der Anderen "leiden" und damit meine ich jetzt nicht mich! Denn dies ist mitunter der Grund warum neben mir ebenfalls viele andere Fotografen einen Shootingtermin erst nach einer nicht erstattungsfähigen Anzahlung verbindlich reservieren.


Nummer 2: Ungepflegte Tiere oder "Die Flecken kannst du ja nachher mit Photoshop wegmachen!"

Jeder möchte doch möglichst schöne Erinnerungen von seinem vierbeinigen Freund haben. Dazu gehört neben der Wahl eines geeigneten Fotografen ebenfalls die Tatsache sich und seinen Liebling möglichst im besten Licht erscheinen zu lassen. Saubere und heile Kleidung sollte also genau so selbstverständlich sein wie ein sauberes und gepflegtes Tier oder sauberes und gepflegtes Equipment - sollte man meinen. Ja, sollte man! Aber auch das ist, wie ich nun mehrfach feststellen durfte nicht jedem so ganz klar. Das selbstverständlich jeder eine etwas andere Vorstellung von der perfekten Präsentation seines Lieblings hat ist ebenfalls klar, aber dick verkrusteter Mist im Fell oder ein absolut zerstrubbelter Langhaarhund ist nun doch genau so weit von "ideal" entfernt, wie kaputte Schuhe, verschmutzte Kleidung oder kaputtes Equipment. Vorsichtig darauf angesprochen kommt dann der Satz: "Das kannst du doch bestimmt ganz einfach mit Photoshop weg machen!" Hierauf einmal eine ganz klare Antwort: "NEIN!" Weder ganz schnell, noch ganz einfach lassen sich solche z. B. massiven Verfilzungen oder (nennen wir das Kind ruhig einmal beim Namen) Dreckflecken mit Photoshop entfernen. Mit ein wenig Wasser, Shampoo oder einer Bürste im Vorfeld hingegen schon ;)

Nun könnte man ja meinen: "Was interessiert dich als Fotografin ob das Tier des Kunden dreckig ist oder nicht? Hauptsache der Kunde zahlt!" aber das ist nicht ganz so einfach wie es sich auf den ersten Blick liest, denn jedes Bild das ich mache und welches mein Logo trägt fällt letztlich wieder auf mich als Fotografin zurück. Und mal ehrlich...wer würde sich nicht wundern, wenn er ein Bild eines Fotografen im schönsten Zauberlicht sieht auf dem Tier und Mensch aber aussehen wie nach einer einwöchigen Moorwanderung? Vermutlich jeder!


Nummer 3: Ein Tier mehr oder "...kannst du eben kurz mal?"

Zugegeben, für dein Einen oder Anderen mag es sich nicht ganz erschließend, aber ein Fotoshooting ist mehr Arbeit als man auf den ersten Blick sieht. Neben der vergleichsweise kurzen Shootingzeit (von ca. 2 Stunden) läuft danach vieles im Hintergrund ab von dem man als Kunde nichts mitbekommt. Die Bilder des Shootings wollen im Nachhinein alle gesichtet (ca. 30 Minuten), grundentwickelt (ca. 2 Stunden), als Auswahl bereitgestellt (ca. 30 min), später zum Teil noch liebevoll und zeitintensiv nachbearbeitet (locker 30-45 Minuten pro Bild), abgezogen, verpackt und versendet (ca. 30 Minuten) werden. All dies kostet Zeit und Arbeit. Neben dem Equipment das schnell mal einen €-Bereich weit jenseits der 1000€ erreicht und der Tatsche, dass Auto, Internet, Finanzamt etc. ebenfalls bezahlt werden müssen und wollen kommt so selbstverständlich ein Betrag für ein Shooting zustande, der auf den ersten Blick hoch wirken mag, aber einmal auf einen Stundenlohn heruntergerechnent plötzlich gar nicht mehr hoch ist. Ich will jetzt nicht darüber jammern, dass "Geiz ist geil!" eine problematische Sache ist oder ähnliches, denn wie gesagt...es entspricht mir einfach nicht. 

Nur möchte ich einmal kurz so viel zu dem Thema: "Kannst du noch eben kurz ein Foto von z. B. meiner Freundin und ihrem Pferd und mir mit meinem Pferd zusammen machen? Geht ja ganz schnell!" Ja, vielleicht geht "ein Foto" mal eben ganz schnell, doch bleibt es zumeist nicht bei dem EINEN Fotowunsch und dann müssen eben auch diese Bilder gesichtet, ausbelichtet, bereitgestellt, bearbeitet und und und werden. Als Fotografin steht man in solch Situationen oftmals wirklich vor einem Dilemma. Die ganze Sache kategorisch Ablehnen und riskieren als "geldgeil" abgestempelt zu werden, oder mit einem Lächeln im Gesicht, und trotz der im Hinterkopf herumgeisternden oben beschrieben Tatsachen, "Klar, gar kein Problem!" zu sagen und zähneknirschend quasi unentgeltlich eine weitere Stunde oder mehr zu investieren. Tja...was soll man da am besten tun? Eine wirklich zufrieden stellende Lösung habe ich noch nicht gefunden und so knirsche ich meistens mit den Zähnen ;)


Nummer 4: Frei Projekte (tfp) oder "Yeah...es gibt was umsonst!"

Der letzte Punkt über den ich mich in der letzten Zeit wirklich ganz, ganz, massiv ärgere sind tfp-Projekte oder besser die Einstellung die einige Menschen augenscheinlich zu dieser Art kostenloser Shootings haben. Hätte man mich Anfang dieses Jahres gefragt ob ich tfp-Projekte empfehlen würde hätte ich in inbrünstiger Überzeugung "JA!" gesagt...mittlerweile ist meine Begeisterung jedoch arg getrübt.

Es gibt sie natürlich! Die tollen Menschen mit ihren tollen Tieren die Feuer und Flamme für ein Projekt sind. Die sich mit Gedanken machen, sogar Outfits besorgen und überhaupt absolut zuverlässig und einfach nur mega toll sind und dann gibt es auf der anderen Seite eben auch die Menschen die einfach nur ein Gratis-Shooting wittern und, wenn es denn dann überhaupt stattfindet und nicht aufgrund von "Stubenfliegenhusten" kurzfristig abgesagt wird, versuchen das Optimum für sich selbst herauszuschlagen und dies mitunter so gerissen, dass ich manchmal schon fast anerkennend Beifall klatschen möchte obwohl ich innerlich alles andere als Begeistert bin. Da wird auch schon mal aus einem hypernervösen Pferd (kann das Pferd nichts für!) ein sanftes Kuschelpony gemacht oder aus dem absolut sozial unverträglichen Hund (auch hier steckt keine Bewertung der Hintergründe mit in meiner Aussage) der reinste Rudelenthusiast. Was bei einem "normalen" Shooting absolut kein Problem ist, ist bei einem freie Projekt hingegen wirklich ärgerlich, denn die Gründe für ein ausgeschriebenes tfp-Shooting können vielfältig sein, aber wenn es gewisse Anforderungen an das Model gibt müssen diese auch erfüllt werden können, sonst ist es zumindest für den Fotografen absolut sinnlos. Freie Projekte sind nicht "einfach nur gratis Shootings". Bei freien Projekten möchte ich bestimmte Bildideen umsetzen, möchte mein Portfolio erweitern, oder vielleicht auch neue Dinge ausprobieren. Dafür sind freiwillige tierischen Models natürlich nötig und für die Zeit und die zur Verfügungstellung bekommt das Model, bzw. der Halter des Models eine Aufwandsentschädigung in Form von fertig bearbeiteten Bildern von mir. Fahrt- und Shootingkosten entfallen bei solchen Sachen in der Regel ganz und somit arbeite ich hierbei eben wirklich völlig umsonst bzw. zahle in den meisten Fällen eigentlich noch drauf. Das mache ich gerne und besonders gerne bei den wirklich tollen Tier-Mensch Teams aber der Spaß an der ganzen Sache kann einem durch die paar "faulen Eier" gehörig vermiest werden. Deshalb gilt: wenn ihr euch für ein tfp-Projekt bewerbt seit bitte ehrlich! Ich denke niemand (ich zumindest auf gar keinen Fall) ist euch böse, wenn ihr euch für ein Projekt bewerbt auch wenn ihr nicht zu 100% passt, aber sagt es von Vornherein! Wer weiß, vielleicht passt ihr zu einem anderen noch geplanten Projekt und selbst wenn nicht ist es nicht schlimm! Auch sind kleine "Extras" (z. B. ein Bild mit eurem Vierbeiner und euch zusammen wenn es denn z. B. eigentlich um reine Tierbilder geht) sind nahezu immer möglich, aber bitte, bitte, bitte fragt mich direkt bei der Terminvereinbarung und fragt nicht erst, wenn ich quasi bei euch auf dem Hof stehe das kommt nicht wirklich gut bei mir an!


Fazit

Im Großen und Ganzen liebe ich meinen Job wirklich. Die meisten Menschen und natürlich auch ihre Vierbeiner sind super tolle. Meistens läuft alles wie geschmiert und zusammen haben wir eine schöne, gemeinsame Zeit und das ist auch wichtig. Denn nur wenn alle Beteiligten mit Herzblut dabei sind und die Harmonie stimmt entstehen unvergessliche Momente. Die wenigen "bedauerlichen" Einzelfälle werden mir sicherlich nicht den Spaß an der Fotografie verderben und sicherlich werde ich euch von nun an nicht ständig mit genervten Beiträgen auf die Nerven gehen, aber dieser ein, kleine, kurzzeitige, schriftliche Aussetzer meinerseits sei mir bitte gestattet.

In diesem Sinne...auf viele wundervolle Shootings <3


#shooting #guterton #umgangmiteinander

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